Autofahren in Albanien

Das Autofahren in Albanien bedarf großer Aufmerksamkeit, denn es geschehen [für gemeine Mitteleuropäer-Innen] allerhand wundersame Dinge.

Fahrradwege gibt es nicht, Fahrbahnmarkierungen nur selten. Die Fußwege sind mit Unmengen fliegenden Händlern gefüllt, dass sich zudem der Fußgängerverkehr auf die Straße verlagert. Neben rasanten Motorrollern kommen einem Fahrradfahrer-Innen als „Geisterfahrer“ auf der eigenen Fahrbahn entgegen. Sehr häufig transportieren sie dabei Benzin in alten Wasserflaschen, Metallstangen, weitere Menschen oder sperrige Möbel auf ihren Zweirädern. Das gesamte Konstrukt ist so wackelig, dass sie nicht selten Gleichgewicht und/ oder Teile ihrer Ladung verlieren.
In den Städten sind [pro Fahrtrichtung] zweispurige Fahrbahnen zwar häufig vorhanden. Bei der Menge an Verkehr sind diese jedoch bei weitem nicht ausreichend. Neben der Fahrbahn parken die Autos in dafür vorgesehenen Nischen dicht an dicht. Auf der Rechten der beiden Fahrbahnen parken jedoch auch regelhaft Autos mit Warnblinker, um „schnell“ mal was zu erledigen. Auf der für den Verkehr übrig gebliebenen linken Spur rollt alles zäh vor sich dahin. Zwischen den beiden Spuren schlängeln sich die besagten vollgepackten Zweiräder hindurch.

Geblinkt, oder Sonstiges für eine Richtungsanzeige wird nicht

Landet man in einem der vielen Kreisverkehre [von uns Todeskreisel getauft] so ist ausgiebiges „Mitdrängeln“ angesagt. Ansonsten wird man schlichtweg überrollt und kommt nicht vom Fleck.
Am Straßenrand werden tote Fische, Albanienflaggen und [vermutlich Fake-] Marken T-shirts verkauft. Sowieso gibt es hier für alles einen eigenen Stand am Straßenrand. Kühlschränke, Unterwäsche, Schuhe, Reifen, Handyschutzhüllen, Putzharder, Plüschteddybären und Kinderspielzeug. Daneben Obst- und Gemüsestände, kleine Bäckereien und volle Cafés. Vor der Bank steht ein Mann mit Metalldetektor.
Es ist also zu erahnen, dass die Fußwege ähnlich überfüllt sind. Daher wird die Straße auch von den vielen Fußgängern mit genutzt. Weiterhin sind auf und neben der Fahrbahn auch Kühe, Hunde, Katzen oder Pferdegespanne anzutreffen. Ein insgesamt eher unübersichtliches Getummel, könnte man meinen.

Bei all der Ablenkung durch Auto, Mensch und Tier: „Uups das war wohl ein Kleinwagen-großes Schlagloch.“
Auf der Autobahn oder autobahnähnlichen Schnellstraßen kommt man zwar deutlich schneller voran, allerdings ist man auch hier nicht unter sich. Auch hier sind Menschen zu Fuß und mit dem Rad unterwegs. Da die neuen schnellen Straßen manchmal die alten Fußwege der angrenzenden Bewohner abschneiden, ist mitunter ein Überqueren aller Fahrbahnen [der Autobahn!!!] notwendig, um das Ziel zu erreichen.
Die Autobahnaus- und auffahrten oder der Seitenstreifen sind zudem eine gute Möglichkeit um Menschen aus Bussen oder Autos aussteigen zu lassen. An der Mittelleitplanke sehen wir zwei Männer, jeweils auf einer Seite stehend, die sich unterhalten.

In Tirana hatten wir einen super Parkplatz in einer Sackgasse. Als wir morgens aufwachen sind wir doppelt und dreifach eingeparkt. Nachts gab es wohl zu wenige Parkplätze.

 

Andere Länder, andere Sitten. Auch wenn’s mitunter Nerven kostet, ist es herrlich so tief in ein Land einzutauchen. Mit der Zeit schwimmt man einfach mit und ist teil des großen Knäuels aus Blech und Lebendigem. Gelassen bleiben und nicht allzu devot fahren, lauten hierbei die Stichworte.

Und last but not least: es gibt immer einen Grund zum Hupen. Zur Begrüßung, als Zeichen der Dankbarkeit und wenn’s einem nicht schnell genug geht.
Hupen kann übrigens richtig Spaß machen und ist irre kommunikativ.
Es sollte mehr gehupt werden!!