Mama chill mal!

Oder: lernen in die Fähigkeiten der Kleinsten zu vertrauen

Lässig ist er vom Fahrersitz ins Lenkrad geklettert. Da sitzt er nun. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände: „Mama chill mal, ich krieg das schon hin!“
Also sitze ich da und chille. Und ich vertraue. So sehr wie ich noch nie einem Menschen vertraut habe, denn meistens hat er absolut recht.
Viel zu häufig gibt es die Situationen, in denen ich mich sagen höre: „Siehst du, hätte ich dich nicht gehalten, wärest du gefallen!“
Manchmal weiß ich, ist es genau andersherum. Hätte ich ihn nicht gehalten, wäre er auch nicht gefallen oder besser: er ist nur gefallen, weil ich ihn gehalten habe. Durch das Festhalten [und vermeintliche Schützen] fühlt er sich sicherer und wagt mehr, als er aus eigener Kraft bewältigen kann. Stattdessen hat er es meistens ganz gut selbst im Griff:
Seine Aktivitäten wachsen mit den Fähigkeiten und andersherum. Beim Krabbeln über verschieden große Steinblöcke ändert er seine Krabbeltechnik, um geschickt größere Spalten zu überwinden.

An kleine Abgründe [z.B. Stufen] tastet er sich langsam heran, guckt über die Schwelle und macht [meistens] kehrt, wenn das Hindernis unbezwingbar wirkt oder stürzt sich andererseits ins Abenteuer, wenn er denkt es zu schaffen. Natürlich sind einige Dinge aus der Kinderperspektive nicht gut einzuschätzen [Straßenverkehr, Gewässer, Höhe …] und dieses Gefahrenpotential gilt es zu erkennen. Manchmal innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde.
Unter keinen Umständen will man natürlich, dass dem größten kleinen Schatz irgendetwas zustößt, aber die ständige Übertragung der elterlichen Ängste auf das Kind führt zu Frustration auf beiden Seiten.

Seitdem der Rumpelrabauke so mobil ist sage ich daher täglich zu mir selbst: „Einfach mal machen lassen“
Denn das hat mir der kleine Gemüsezwerg in den [zu dieser Zeit] zehn Monaten seines Daseins beigebracht: Man muss Kinder nicht immer und ständig beschützen.

Schon gar nicht vor sich selbst!