Kindlicher Bewegungsdrang

„Wie ist das denn mit dem kindlichen Bewegungsdrang auf so engem Raum beim Reisen mit einem Auto?“

 

Wir waren gut dreizehn Monate als 3-köpfige Familie in einem VW-T4 Bus [Werbung] unterwegs. Das macht bei knapp sechs Quadratmetern, also zwei Quadratmeter für jeden von uns.


Beim Start war klein Rumpel gerade sechs Monate alt und begann zu sitzen.

Seitdem ist eine Menge passiert. Mittlerweile läuft er über Stock und Stein und fordert das auch ein.

 

Morgens folgender Ablauf:  ein lautstarkes „hammmhamm“ reißt uns aus den letzten Träumen. Was er uns damit sagen will: „Ich habe Hunger und möchte jetzt bitte mein Müsli essen“.

Dicht Gefolgt von: „haaaausshaus“ [„Ich will jetzt raus und die Welt erkunden“].
Als Rumpel noch nicht allzuviel Bewegungsdrang hatte, war es aus Reise-praktischen Gründen einfacher für uns als Eltern. Es gibt also gute Gründe mit jüngeren Kindern, als es unser Rumpel beim Start war, eine solche Reise zu starten.


Aber die gesteigerte Aktivität des Kleinen hat fast nur Vorteile für uns alle. Im Auto sind wir nur, wenn es stark regnet [bei Nieselregen Matschhose an und raus] oder sehr, sehr kalt ist.

Klein Rumpel treibt uns raus, ob wir wollen oder nicht. Wir verbringen mehr Zeit draußen denn je. Manchmal [wenn man morgens lieber noch unter der warmen Decke kuscheln möchte] kostet das Überwindung, aber die vor Freude glänzenden Rumpel-Augen, wenn er mit quietschiger Stimme einen „Daadaaa“ [Stein oder Stock] präsentiert, entschädigen umgehend.

 

Seit dem Beginn unserer Reise, ist die Natur unser zu Hause.
Grundsätzlich fahren wir nur Auto, während des Rumpels Mittagsschlaf. Das heißt wir kommen in dieser Zeit [je nach Straßenverhältnissen] zwischen 20 und 200 km weit. Kleinere Babys haben mehr Schlafphasen am Tag, was ein schnelleres Vorankommen ermöglichen würde [wenn man das denn möchte].

 

Als Rumpel noch nicht gelaufen ist, hatten wir immer eine Decke dabei.

Im Krabbelalter und jetzt im Lauflernalter achten wir auf ruhige Übernachtungsplätze mit ausreichend Platz und geeignetem Untergrund zum Erkunden. Möglichst wenig Müll und Gefahren sollte dieser Platz beherbergen. Besonders in Südeuropa ist neben den Unmengen des Mülls auch auf streunende Hunde und Katzen zu achten.

So spricht nur wenig gegen ein freies Erkunden und selbständiges Spielen.

 

Zugegebener Maßen ist das Lauflernalter nicht das perfekte Reisealter. Bei Wanderungen oder Stadtbesichtigungen läuft er natürlich noch keine ernst zu nehmenden Strecken. Stattdessen ist jedes Blatt, jede Ameise interessanter und wird genau erkundet. Die Schnecken überholen uns mit 0,5 km/h.

Lässt man sich aber darauf ein, ohne noch irgendetwas anderes Relevantes erledigen oder sehen zu wollen, dann macht das Sehen der Rumpel-Welt durch seine Kinderaugen einen riesen Spaß.

 

Und das Schöne an dieser Art des Reisens ist ja: wir haben Zeit.

Heute hier, morgen dort. Oder eben erst übermorgen. Oder gar nicht. Ist doch egal.

 

Auch mit 0,5 km/h sehen wir jeden Tag aufregende Dinge. All das würde uns bei einem schnelleren Reisetempo verborgen bleiben und zudem für ständigen Protest sorgen.

 

In diesem Sinne: "Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder, oder so als wäre alles ein Wunder."