Sanftes Erwachen in Norwegen

Oder: Bitte nur noch zehn Minuten!

Morgens zwischen fünf und sechs Uhr in Norwegen:
‚flaatsch‘ eine feuchte Hand drückt sich auf meinem Gesicht ab um das kleine Plüschschaf mit der Rassel im Kopf zu erreichen.
Nur knapp verfehlt. Ein Knurren drückt seinen Unmut aus.

„Nur noch zehn Minuten bitte“ sagt eine müde Stimme…es muss meine sein!
‚Rumms‘ ein Knie zwischen meinen Rippen leitet den zweiten Rasselschaf-Versuch ein. Umständlich wird sich an der Fensterscheibe nach oben gearbeitet, um dann endlich das Schaft geradeso mit den kleinen Fingerspitzen von der Ablage über unseren Köpfen zu angeln. Ein Freudenquieken ertönt und der Windelpopo landet auf meiner vollen Blase.
Ich freue mich mit. Zum einen über den Rasselschaf Erfolg. Zum anderen über die kommenden drei Minuten, in denen ich nochmal weg dämmern werde, weil das Rasselschaf kurz Aufmerksamkeit beansprucht. Snooze Taste sozusagen.
Ich schrecke hoch. Habe geträumt mir stecke jemand Nadeln in den Kopf. Ich realisiere: es war kein Traum. Der Rasselschafbändiger testet nur sein neustes motorisches Tool: den Pinzettengriff.

Fein säuberlich sortiert er einzelne Strähnen meiner Haare auf dem Kopfkissen, um dann mit einem kräftigen Ruck am schillerndsten aller Bündel zu ziehen.

Die kleinen Beine strampeln vor Freude wild auf und ab, während ich leise fluche.
Es kichert wieder neben mir.

Mit dem kleinen speckigen Handrücken klopft er sich selbst auf den offenen Mund und erzeugt so melodische Geräusche, wie sie Tarzan nicht besser könnte.
Es ist der endgültige Weckruf. Große wache Augen strahlen mich an.
Guten Morgen mein liebster Rumpelrabauke.

Ein neuer spannender Tag beginnt.