Die kleine Schwester ganz groß - besuche Aarhus statt Kopenhagen

 

Hintergrund


270.000 Einwohner. Zweitgrößte Stadt Dänemarks [nach Kopenhagen].
Århus: 2010 einigte man sich auf die internationale Schreibweise [Aarhus] um sich „im  internationalen Wettbewerb stärker zu positionieren“. Wettbewerb hin oder her: ausgesprochen wird es Ooohuus. Ob nun die Schreibweise ausschlaggebend war, wird ein kleines Rätsel bleiben, sicher ist jedoch, dass Århus, Aarhus, Ooohuus in den letzten Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Zuletzt kamen 2017 zehntausende Besucher in die Europäische Kulturhauptstadt, was „das bedeutsamste […] Projekt in Dänemark seit Jahrzehnten“ darstellte.

Entspannte Dänen und Däninnen


„Aarhusianer“ in drei Worten: sportlich, innovativ, inspirierend.
Fahrräder so weit das Auge reicht. Darauf drahtige junge Menschen, die auch jung aussehen, wenn sie schon etwas älter sind. Das Radfahren als Jungbrunnen. Jeder tut es, auf den überall perfekt ausgebauten Radwegen. Kein Streit und Stress mit anderen VerkehrsteilnehmerInnen. Wobei Stress auch sonst nicht zu unseren nördlichen Nachbarn passen würde, denn Däninnen und Dänen gelten als äußerst entspannte Mitmenschen. Wurden sie doch laut World Happiness Report zu den weltweit glücklichsten Menschen erkoren.


Das spiegelt sich auch im Stadtbild wider: agil, modern, alternativ. Sprudelnd vor Energie und Ausstrahlung. Die Einwohner nutzen ihre Stadt als Lebensraum. Straßen, Plätze und niedliche Cafés sind immer gut gefüllt. Das Leben spielt sich draußen ab. Die oft moderaten Wochenarbeitsstunden ermöglichen eine ausgeprägte Sozialkultur. Die zahlreichen Parks und Grünflächen dienen SportlerInnen und Familien als Spiel- und Freizeitplatz. Es gibt riesige Wälder (z.B. Rii Skov, Marselisborg Skovene) mitten in der Stadt, die LäuferInnen und SpaziergängerInnen eine grün-frische Abwechslung zum Stadtalltag bieten. Grandios. Trailrunning mitten in der Stadt. Grandios. Kostenfreie, fest installierte, gut gepflegte Sportgeräte an zahlreichen Standorten. Bei Bedarf kann man sogar ein kostenloses Einführungstraining in Anspruch nehmen. Grandios.
Dazu das Meer. Am nördlichen und vor allem am südlichen Ausläufer der Stadt: Sandstrände soweit das Auge reicht. Ungeachtet der Wassertemperatur, rein optisch mitunter Karibikfeeling.

Stadtrundgang


Gibst du „Aarhus“ in eine Suchmaschine deiner Wahl ein, dann springt als eines der ersten Bilder das „Rainbow-Panorama“ des ARoS Kunstmuseum entgegen. Wir haben es hier scheinbar mit einem besonderen Aushängeschild der Stadt zu tun. Löhnt man den relativ stattlichen Eintritt fürs Museum, so berechtigt dies auch zum Spaziergang im Regenbogen-Panorama auf dem Dach, mit buntem Blick auf und über die Stadt.


Unmittelbar in ARoS-Nähe lässt es sich beim Kulturprojekthaus „Godsbanen“ [dt. Güterbahnhof] wunderbar durch die Vorgärten alternativer Container-Wohnprojekte schlendern und von ein wenig Ausbrechen-aus-dem-Alltag träumen. Das schräge Dach des „Godsbanen“ ist begehbar und bei schönem Wetter tummeln sich hier die Menschen zur Sozialkontaktpflege.


Unbedingt auf deine To-do-Liste gehören die Gewächshäuser im botanischen Garten. Der Eintritt ist frei und das Erleben der atemberaubenden Pflanzenwelt der vier verschiedenen Klimazonen bleibt definitiv eine besondere Erinnerung. Und wenn es die Pflanzen nicht schaffen, dann definitiv die sehr multikulturellen Toilletten. Hier ist quasi für jede/n was dabei.


Für alle Boulderfreunde findet sich zwischen ARoS und botanischem Garten in der Straße „Carl Blochs Gade“ eine gute Möglichkeit für eine kleine Session unter freiem Himmel.


Vor dem Stadtrundgang solltest du noch einen kleinen lohnenswerten Abstecher in den großen Universitätspark, mit seinen zwei großen Seen, machen. Hier wöllte man doch glatt nochmal StudentIn sein und sich direkt um ein Auslandssemester bewerben.


In wenigen Minuten kannst du -vom Universitätspark aus- die Innenstadt erreichen und dein komplettes Reisetaschengeld auf den Kopf hauen. Ob Shopping oder nicht, auf jeden Fall solltest du durch die gepflasterten Gassen des „Latinerkvarteret“ (dt. Latinerviertel) lustwandeln. Durch die zahlreichen kleinen Boutiquen kann man „einfach mal so gucken“ und ganz nebenbei findet sich definitiv ein Mitbringsel oder Andenken. Kleiner Geheimtipp: im Second Hand und Vintage Laden „Soul Shine“ in der Straße „Graven“ findet sich mit Sicherheit eine nette Klamotte. Und die Shopping-müde Begleitung kann im integrierten „Café Soul Kitchen" entspannen.


Innovative Architektur und einer der Geheimtipps überhaupt findet sich am Hafen: das gläserne Dokk 1 ist Stadtbibliothek, sozialer Treffpunkt und Gemeindezentrum in einem. Mit ein wenig Glück [oder Wartezeit] ergattert man einen der schicken und äußerst bequemen Ohrensessel. Vor der Kulisse der Aarhuser Bucht lässt es sich hervorragend Gedanken nachhängen, lesen oder bei einem Kaffee [gibts z.B. im Erdgeschoss] den Tag planen. An manchen Tagen wird man hier von einem kräftigen Gong aus der meditativen Ruhe gerissen. Dieser ertönt, ausgelöst durch eine 7,5 m hohe und drei Tonnen schwere Bronzesäule, wenn in Aarhus ein Baby geboren wurde. Auf dem Außengelände können die Kleinsten auf dem Spielplatz „Kloden“ (dt. Erdball) auf Entdeckungsmission gehen, denn jede der fünf Spiel- und Kletterinseln steht für einen Erdteil. Dieser Spielplatz ist so einzigartig, dass du [am besten aus einem der Ohrensessel in der ersten Etage] selbst Erwachsene beobachten kannst, wie sie wagemutig über wackelnde „Eisschollen“ balancieren oder sich im „Urwald“ verstecken.

 

Unweit vom Dokk1 ist mit Aarhus Ø ein vollig neuer Stadtteil mit Meerblick entstanden. Der bekannteste Wohnkomplex soll an Eisberge erinnern. Diesen Stadtteil in Aarhus zu finden wundert architektonisch nicht, aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge… und so weiter. Die Naturaugen unter uns sollten jedenfalls nach Anblick der ganzen Betonfassaden dringend durch den Stadtgarten „Ø-Haven“ spazieren. Hier bauen Aarhuser in Holzkisten oder neumodischen Gewächshäusern Blumen, Obst und Gemüse an. Besonders im Sommer, wenn hier die Bienen summen und Tomaten reifen, hat man beim Blick aufs Meer das Gefühl plötzlich in einer ganz anderen Welt zu sein.


Etwas außerhalb, aber auch empfehlenswert sind der große Wildtierpark „ Dyrehaven“ [kostenfrei] und das Schloss Marselisborg [Sommerresidenz der dänischen Königsfamilie].
Für ein multikulturelles Shopping-Erlebnis bietet sich sehr gut der Basar Vest an.

Reisezeitpunkt


Aarhus ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, aber wer es sich einrichten kann, sollte unbedingt zum Jazz-Festival im Juli herkommen [14.-21. Juli 2018]. Unzählige Konzerte [überproportional viele davon kostenfrei und unter freiem Himmel] lassen die Stadt in dieser Woche besonders magisch wirken. In dieser Zeit zieht dich Aarhus in seinen Bann, ob du willst oder nicht. Aber auch zur Aarhuser Festwoche Ende August, lässt sich in dieser lebendigen Stadt eine musikalisch und kulturell einmalige Zeit verbringen.

Verpflegung


Gleich mal im Blog-Beitrag -Vegan in Aarhus- nachschauen! [folgt]

Fazit


Völlig zu Unrecht liegt Aarhus immer noch im Schatten Kopenhagens. Dabei hat die dänische Schönheit am Kattegat mit ihrem gleichzeitig jungen und hippen aber auch kulturell ansprechenden und familienfreundlichen Stadtbild ein gigantisches Potential.


In dreieinhalb Autostunden von Hamburg aus, eignet sich Aarhus optimal für einen Wochenend-Trip. Aber auch ganze Ferien lassen sich in und um Aarhus verbringen.


Hier kannst du alles wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad [(fast) kostenfreie Leihmöglichkeit hier] erreichen. Die in diesem Blog-Beitrag empfohlenen Ziele sind [bis auf ARoS] alle kostenfrei und schonen somit deinen Reise-Geldbeutel. Dieses Geld kannst du ja dann in Kopenhagen ausgeben...