Finnland

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Nach einem Monat in Norwegen fahren wir Anfang August bei Kilpisjärvi im Drei-Länder-Eck Norwegen-Schweden-Finnland über die Grenze. Auf finnischer Seite begrüßen uns im Straßenverkehr sofort die Rentiere. Nicht nur am Straßenrand, sondern meist direkt auf der Fahrbahn. Dieses wunderbar majestätische Bild, der in aller Ruhe vor sich hin trabenden Tiere, wird uns bei unserer Nord-Süd-Durchquerung Finnlands täglich begegnen. Erst 200 km vor Helsinki, wo die Straßen größer werden und die Besiedlung dichter wird, werden unsere treuen Begleiter unsichtbar.
Unser Einstand im finnischen Lappland ist hervorragend. Bei strahlend blauem Himmel und 25 Grad stoppen wir kurz nach der Grenze an einem See.

 

Und plötzlich ein Licht

Hier passiert es. Nach 14.000 Kilometern Reise durch 11 Länder geht unserer 19 jährigen Hummel das erste Mal ein Licht auf - eine Warnleuchte. Direkt nach dem Anlassen erscheint für ca. zwei Sekunden ein rotes Ausrufezeichen. Nach ausführlichem Wälzen des slowenischen Handbuchs [die Hummel ist gebürtige Slowenin], Übersetzung sowie Internetrecherche waren wir auch nicht wirklich schlauer. Nur so viel war sicher - eine Störung im Bremssystem. Viele Stunden sowie zahlreiche Telefonate mit Andreas’ fachkundigem Brüderchen später, schien der Grund der Warnleuchte gefunden. Ein kleiner Riss in der Gummiummantelung des Messkabels zur Verschleißkontrolle des Bremsbelages am linken Vorderrad. Dieser winzige Defekt sorgt für eine Fehlermeldung im Stromkreislauf. Na wenn's denn sonst nichts ist. Nach neuer Isolierung verschwand die Warnleuchte auf nimmer Wiedersehen. Auf die nächsten 14.000 km.

Alte Bekannte

Von nun an jagt ein Déjà-vu Ereignis das nächste. Denn im Zuge unserer Fahrt zum Nordkapp 2013 [Ostseeumrundung] sind wir Teile dieser Strecke in Finnland schon einmal gefahren.

Die Strecke ist wunderschön. Wälder - Rentiere - Ruhe.

Empfehlung: Im Norden Finnlands jede Möglichkeit des Tankens nutzen. Die in Karten eingezeichneten „Städte“ sind häufig nur Ansammlungen von wenigen Häusern, von Tankstellen ganz zu schweigen.

 

 

Von Kilpisjärvi fahren wir immer parallel zur schwedisch-finnischen Grenze über Muonio nach Pello. Dort biegen wir ab ins Landesinnere und fahren am Polarkreis entlang nach Rovaniemi. Im kitschig touristischen „Dorf des Weihnachtsmannes“ waren wir auch 2013 schon einmal [eher zufällig]. Jährlich erreichen hier eine halbe Million Briefe aus aller Welt den Weihnachtsmann unter folgender Adresse:

Santa Claus

Tähtikuja 1

96930 Arctic Circle

Finland

Natürlich kann man ihn heutzutage auch per E-Mail kontaktieren.
Nach fünf Jahren stehen wir nun wieder am selben Platz und schießen das selbe Foto beim Weihnachtsmann-Rentier-Pappaufsteller.

Wer erkennt den Unterschied?

 

Zweite Chance

Die Fahrt durch das sommerliche Nordfinnland fasziniert uns ungemein und mit jedem Tag werden wir ein wenig kleinlauter, angesichts der schier grenzenlosen Wälder. Oft sprachlos schießen wir Unmengen an Fotos und versuchen die klare und einfache Schönheit dieses Landes festzuhalten. Wald! Nichts als Wald! Nadelwald! Und eine einzige Straße, die sich hunderte Kilometer lang schnurgeradeaus erstreckt. Das Navi zeigt an: in 125 km rechts abbiegen.
Vor fünf Jahren [Ostseeumrundung], damals Ende September, empfanden wir diese Landschaft bei grau-trüben Regenwetter eher als eintönig und waren froh diesen Teil Finnlands schnell hinter uns gelassen zu haben. Jetzt ist es anders. Unser entschleunigter Reisestil ermöglicht es uns das Land langsam zu durchreisen und die Feinheiten dieser ursprünglichen und dennoch so lieblichen Natur wahr- und aufzunehmen. Zudem strahlt die Landschaft bei wunderbarem Sommerwetter in den schönsten Farben.

 

Wir können nicht genug bekommen von den unüberschaubaren Nadelwäldern und den Rentieren, unseren täglichen Begleitern, die uns auch schon mal während unseres Frühstücks völlig ungeniert direkt vor die Füße pinkeln. Dazu die zahllosen wunderbaren, sauberen tiefblauen Seen in traumhafter Lage. Finnland ist so anders als die übrigen skandinavischen Geschwister. Besonders im finnischen Lappland herrscht noch Ruhe, Einsamkeit und Ursprünglichkeit. Die Wohnwagen und Camper sind hier oben sehr, sehr rar und nur wenige Kilometer fernab der Straße kann es vorkommen, dass man bei einem Fußmarsch tagelang keiner Menschenseele begegnet. Ein wunderbares Fleckchen Erde.

 

Kolovesi Nationalpark

Über Kuusamo, Kajaani und Kuopio fahren wir mitten rein ins Gebiet der wunderschönen finnischen Seenplatte. Hier reihen sich unzählige Seen nahtlos aneinander, kleine Inseln setzen wunderbare Akzente und der dichte Wald reicht bis ans Ufer heran. Hier zu übernachten, direkt am Wasser, ist sagenhaft.
Wir recherchieren den kleinen Kolovesi Nationalpark und verbringen hier drei wunderbar ruhige Tage mitten im Wald, umringt von zahlreichen Seen. Hier begegnen wir auch dem schönsten Plumpsklo unserer bisherigen Reise. Von außen sieht das Häuschen aus ganzen Baumstämmen eher wie ein rustikales privates Feriendomizil am See aus, entpuppt sich aber als stilles Örtchen und Feuerholzlagerstätte. Im Nationalpark darf man selbst kein Holz für ein Lagerfeuer sammeln, sich aber bei dem von der Gemeinde bereitgestellten Holz bedienen. Axt und Säge stehen auch bereit um die großen Stämme Feuerstellen tauglich zu präparieren.

Helsinki

Wir nähern uns dem [vorläufigen] Ende unseres wundervollen Sommers in Skandinavien. Aber zunächst bleibt uns noch eine Großstadt, die wir auch aus 2013 schon kennen. Auf dem Weg nach Helsinki über Lappeenranta ist die russische Grenze bei Simpele mitunter zum Greifen nah.
Über die wunderbare, knapp 640.000 Einwohner große Hauptstadt Finnlands haben wir schon in unserem Beitrag zur Ostseeumrundung [2013] geschrieben. Insgesamt verbringen wir 2,5 Tage in Helsinki, bevor unsere Fähre Richtung Baltikum in See sticht.

An unserem letzten Tag in Finnland bouldern wir in einer sehr guten Halle der „boulderkeskus“-Familie [Bouldern in Helsinki].

An einem wunderbaren Spätsommertag, verlässt unsere Fähre den Hafen von Helsinki in Richtung Tallinn.

 

Fazit:

Rotbraunes Holz und dunkelgrüne Nadeln kontrastieren so wunderbar zu den tiefblauen Seen und dem strahlend blauen Himmel. Finnlands Nadelwald- und Seenlandschaften, die Einsamkeit und die Nähe zur ursprünglichen Natur haben uns stark beeindruckt. Danke, dass du uns noch eine zweite Chance gegeben hast. Wir kommen wieder du charakterstarkes Finnland!