Montenegro - Land der schwarzen Berge

 

Von Kroatien kommend erlebt man gleich eine der landschaftlich sehenswertesten Regionen Montenegros. Die Straße verläuft unmittelbar an der verzweigten Bucht von Kotor entlang. Es ist der einzige Fjord Südeuropas. Steil abfallende Berge aus grauem Stein spiegeln sich im ruhigen und glasklaren Wasser. Eine Kulisse, die wir in Island und Norwegen sehr lieben gelernt haben.

Kotor – und plötzlich im Mittelalter

Die kleine Stadt Kotor, am südöstlichsten Zipfel der gleichnamigen Bucht, ist mit ihrer historischen Altstadt definitiv einen Besuch wert. Hinter einer massiven Stadtmauer verbirgt sich eine romantische und gut erhaltene Altstadt mit weißen Steinfassaden, dunklen Fensterläden und kleinen unwegsamen Gässchen. Die Altstadt liegt direkt am Fuße eines rasch empor steigenden Bergmassivs. Von ihr führt ein Weg den Fels hinauf zu einer mittelalterlichen Festungsanlage. Das Stadtbild ist geprägt von einer Menge Cafés, Restaurants und Souvenir-Shops. Fernab des üblichen Kitschs, gibt es hier orientalisch anmutende Glaslampen, seidene Schals und lokales Holzhandwerk.
Der Hafen von Kotor ist so klein [und anscheinend zu wenig tief], dass in Relation zur Größe der Bucht überdimensioniert wirkende Kreuzfahrtschiffe mitten im Fjord ankern. Die Passagiere werden dann mit kleinen extra Booten zum Ufer gebracht.

Aufgrund der KreuzfahrtlerInnen ist die Altstadt auch im November touristisch reich besucht. Es lohnt sich daher im Morgengrauen die erwachende Stadt zu erkunden. Danach wird es etwas eng in den schmalen Gassen. Ebenso lohnt es sich an einem der zahlreichen Lebensmittelständen halt zu machen, welche sich entlang der Stadtmauer aufreihen. Das vielseitige, bunte Angebot an Obst und Gemüse ist beeindruckend.

Lovcen Nationalpark – ein Mausoleum für einen Dichter in den Wolken Montenegros

Über unzählige steile Serpentinenstraßen, überwiegend nur so breit wie ein Auto, geht’s hoch hinauf und ins Hinterland, rein in den Lovcen Nationalpark. Beim Blick zurück ins immer kleiner werdende Tal werden uns die Ausmaße des herrlich glitzernden Kotor Fjords bewusst. Eine unfassbar schöne Aussicht auf die Stadt und den Fjord.

Auf dem zweithöchsten Gipfel des Nationalparks [Eintritt 2€/ Person] ist der montenegrinische Dichter Njegos begraben. Für uns weitaus überwältigender ist jedoch die phänomenale Aussicht von hier oben, nachdem die zahlreichen Treppen zum Plateau bezwungen wurden.

Nun ist klar, woher Montenegro [Monte-Berge; negro-schwarz] seinen Namen hat. Berge wohin man schaut. Mitunter so dicht bewaldet, dass sie eine tiefschwarze Kulisse erzeugen. Nur die sich in der Tiefe bewegenden Schatten der wenigen -zum Greifen nahen- Wolken erinnern uns daran, dass es keine Leinwand ist, vor der wir stehen. Es ist ein gigantischer Ausblick, welcher an klaren Tagen über die Adria bis nach Italien reichen soll.

Podgorica

Wir erleben [versehentlich] die erste richtig kalte Nacht seit langem. Morgens ist unsere Hummel bedeckt von Eisblumen und einer leichten Schneedecke. Auf dem Weg in die Hauptstadt Podgorica, kommen wir zunächst durch Cetinje.
Bei einem kurzen Rundgang durch die frühere Hauptstadt Cetinje, besuchen wie die ehemaligen, teils noch sehr schön erhaltenen Botschaftsniederlassungen und erkunden den hiesigen Spielplatz im Stadtpark. Die wasserdichte Matschhose des kleinen Rumpel hält sich wacker.
Podgorica empfängt uns mit einem beachtlichen Polizeiaufgebot und Straßensperren [wegen einer Gay-Parade, wie wir später erfahren]. Wir vertreiben uns die Zeit auf einem herunter-gekommenen Spielplatz, wo das Klettergerüst dringend eine frische Verankerung im Boden bräuchte. Nach 15 Uhr dürfen wir endlich in die Innenstadt. 15.30 Uhr sitzen wir bereits in einem kleinem Café. Tja, Podgorica ist nicht unbedingt die schönste aller Hauptstädte.

Eine quadratisch angelegte Innenstadt mit sozialistischen, schmucklosen Plattenbauten. Teils recht runtergekommen, teils der Versuch mit charakterlosen Bürokomplexen der Stadt etwas hauptstädtisches Flair zu verleihen. In den Erdgeschossen allerlei Geschäfte mit bunter Leuchtreklame. Einzig der Stadtpark ist recht schön angelegt.

 

Eine lustige Anekdote aus dieser Stadt wird uns dennoch im Gedächtnis bleiben. Klein Rumpel macht im Supermarkt einen riesen Terz, als er die Bananen erspäht [Er liebt Bananen. Er liebt eigentlich alles, was nach Nahrungsmittel aussieht].

Die Kassiererin hat so ein Mitleid mit dem armen Kind, dass sie glatt einen Gelee-Bananen-Schokoriegel aus dem Regal zieht und diesen ihm in die Hand drückt. [Er hat draußen natürlich nicht den Riegel, sondern die echte Banane bekommen ☺ Armes Kind!]

Sommer, Sonne, Pustekuchen

Es zieht uns mal wieder in die Berge.

Ja irgendwie war das anders geplant: Wenn es in Deutschland kalt wird, fahren wir in den Süden, in die Sonne. So der Plan. Nun gut, die grobe Richtung stimmt schon mal. Aber nur an der milden Küste entlang zu fahren ist für uns keine Option, in einem Land, was vor Kurzem noch ein kleiner schwarzer Fleck auf unserer imaginären Landkarte war. Wir fahren daher weiter ins Landesinnere, ins Gebirge.
Auf unserem Weg nach Zabljak, im Durmitor-Gebirge im Nordosten des Landes, geht’s über menschenleere und autofreie Hochebenen rein in den Schnee, inklusive vereister Serpentinen. Zabljak ist im Sommer Touristenhochburg für alles was nach Action klingt. Hiking, Rafting und Zip-Lining, oder zu deutsch: Wandern, Kanu und Seilrutsche fahren. Im Winter locken einsame Schneepisten.

Weil wir nächtliche -7 Grad für unangenehme Camper-Temperaturen halten [zumal ohne Standheizung], ist die Suche nach einer Unterkunft unsere erste Amtshandlung im verschneiten Zabljak. Als wir diesbezüglich in einem Café nachfragen, zücken gleich vier Parteien ihre Handys und versorgen uns mit Angeboten. So ziemlich jedes Haus hier bietet via Aushang eine Übernachtungsmöglichkeit an.

Wenig später stehen wir in unserem Domizil für die kommenden zwei Nächte: ein süßes, warmes Holzhäuschen mit Blick auf die schneebedeckten Berggipfel der Umgebung.

Unsere  Wanderung Tags darauf durch eine weise Winterlandschaft zum schwarzen See [Crno jezero] müssen wir leider abbrechen, da unser Rumpel mieser Stimmung ist und anscheinend lieber im warmen Holzhaus Küchenschubladen aus- und einräumen will. [Dazu gibt es an dieser Stelle eine weitere Anekdote zum Thema Reisen mit Kind.]

Nach geglücktem Rumpel-Mittagsschlaf begibt sich Sarah noch einmal allein auf den Weg zum See und hält dieses Erlebnis auf ein paar Fotos fest. Der Anblick des klaren Sees, umringt von dichtem Nadelwald vor schneebedeckter schroffer Bergkulisse ist wunderschön. Zumal eine ergreifende Ruhe herrscht.

Tara Schlucht – der längste und tiefste Canyon Europas

Leider sehen wir von diesem superlativen Naturspektakel, mit 78 km Länge und mitunter 1300 m Tiefe nicht viel. Als wir in der Gegend unterwegs sind herrscht ein heftiger Starkregen. Von den Hängen und Felsen der Schlucht stürzen Wasserfälle direkt auf unsere Fahrbahn und somit unsere Hummel. Die Wassermassen reißen Unmengen Geröll mit sich, welcher frisch und in beachtlicher Größe auf der Fahrbahn liegt und zum Ausweichen zwingt. Auf engen Serpentinenstraßen eine teils spannende Angelegenheit. Wir sind zutiefst erleichtert, als kurz vor dem Tagesziel [wir sind einmal im Uhrzeigersinn durchs Land gefahren und landen ein zweites Mal in Podgorica] der Regen aufhört, wir noch alle unsere Auto-Scheiben haben und nur noch LKW-große Pfützen das Problem sind.

Zum Glück hat klein Rumpel während der gesamten aufregenden Fahrt selig geschlummert.
Um die Tara Schlucht richtig zu erleben, sollte man sie entlangwandern oder sich Kanus ausleihen und dem türkisfarbenen Fluss folgen. Von der Straße aus ist nicht viel zu sehen, denn es versperren Bäume die Sicht nach unten in die steile Schlucht.
Aus dem verschneiten Gebirge kommend fahren wir über Podgorica nach Albanien.

 

Fazit: Dieses kleine Land wird uns nachhaltig in Erinnerung bleiben. Als „Wild beauty“ betitelt man es in diversen Reiseführern. Die Beschreibung könnte nicht passender sein. Die Bucht von Kotor, der Ausblick vom Gipfel im Lovcen Nationalpark und das Durmitor Gebirge im Nordosten haben uns sehr begeistert. Montenegro ist ursprünglich und authentisch. Der Tourismus ist gerade erst am Wachsen und das diesbezügliche Potential ist unwahrscheinlich hoch. Wir hoffen bald [in einer wärmeren Jahreszeit] zurück zu kehren und die ganze Palette der wunderbaren landschaftlichen Vielfalt zu erleben.

Aber nun auf nach Albanien ...