Spanien -

von allem ein bisschen

[sogar ein bisschen britisch]

Einundzwanzig Stunden lang sind wir übers Mittelmeer geschippert, um vom italienischen Festland [Civitavecchia] nach Spanien [Barcelona] zu gelangen. Für uns ist das der schnellste und günstigste Weg auf die iberische Halbinsel [initial sind wir 48 Stunden zuvor in Palermo, Sizilien gestartet].
Wir erreichen Barcelona an einem Dienstag Abend gegen 18 Uhr. Das Pulsieren der Stadt ist ansteckend. Die Promenade ist voller LäuferInnen, am endlosen Sandstrand finden sich Beachvolleyballgrüppchen zusammen, Menschen jeglichen Alters füllen die Stadt mit Leben.

Der Kontrast zum eben noch erlebten Italien ist sofort zu spüren und vom ersten Moment an fühlen wir uns pudelwohl.

Barcelona

Unterhält man sich in Barcelona mit Einheimischen, so wird man im zweiten Satz nachdrücklich darauf hingewiesen, auf sein "Hab und Gut" aufzupassen. Dazu gehöre auch das Auto möglichst nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen und wenn dies doch notwendig sei, unbedingt Fahrräder und sonstige Anbauten abzumontieren. Die Rate an Einbrüchen und Diebstählen sei in spanischen Großstädten, insb. Barcelona enorm hoch. Solche Ratschläge und Hinweise verleiten uns normalerweise dazu, nicht allzu lang an solchen Orten zu verweilen.

Da wir Barcelona allerdings bereits 2015 unverrichteter Dinge den Rücken gekehrt hatten [es war innerhalb von 2 Stunden Suche nirgends ein Parkplatz zu finden], wollten wir diesmal unbedingt bleiben und die Stadt erkunden. Kurz nach der Ankunft in Barcelona finden wir uns also untypischerweise auf einem Campingplatz wieder. Eine gute Entscheidung!

Von hier aus fahren wir total entspannt mit der Metro, die uns mitten im Zentrum ausspuckt. In zwei Tagen haben wir so nur einen Bruchteil der Stadt gesehen und das war wieder nur ein Bruchteil von dem, was wir geplant hatten. Barcelona ist einfach riesig und enorm facettenreich. Die to-do Liste ist kaum zu überblicken. Trotz der Masse an Menschen, die sich durch die Gassen schieben [v.a. Unmengen an TouristInnen], hat uns Barcelona sehr gut gefallen. Neben ein paar touristischen Zielen [La Rambla, Sagrada Familia, La Catedral, Arc de Triomf] schlagen wir auch gern Wege abseits der üblichen Routen ein und landen im alternativen Viertel Gràcia. Hier häufen sich die Katalonien Flaggen. Überall ist es ein bisschen siffig und ganz und gar nicht schniecke. In den zahlreichen Cafés und Restaurant sitzen die Menschen in der Sonne und wirken recht ent-spannt. In kleinen Künstler-Läden findet man zwischen Nähbedarf und Holzspielzeug so manche Besonderheit. Die Dichte an Restaurants mit pflanzlichen Leckereien ist hier besonders hoch.

In Barcelona gibt es einige Boulderhallen. Wir entschieden uns für Chris Sharma´s "Sharma Climbing BCN".

Immer gen Süden – oh wie schön ist Andalusien

Da das eigentliche Ziel Andalusien, also Südspanien ist, nimmt unsere Tour etwas an Fahrt auf. Letztendlich erreichen wir dieses Ziel vier Tage nachdem wir den Trubel Barcelonas, mit ewig langen Stadtstaus, hinter uns gelassen haben [knapp 900 km]. Immer an der Ostküste entlang geht es gen Süden, mit Blick auf das Balearen Meer.
Die Landschaft ändert sich so abrupt, dass wir gar nicht glauben können noch im selben Land zu sein. Eben noch eher flaches und vertrocknetes Land in der Region Murcia, nun saftig bewaldete Hügel so weit das Auge reicht, weiß-rosa blühende Mandelbäume und am Horizont die schneebe-deckte Sierra Nevada. Staudämme gibt es in Spanien wie Sand am Meer. Ein besonders schönes Exemplar ist der Embalse del Negratìn. Die Landschaft hat sich zu bizarren Felsen und Schluchten um das türkis schimmernde Wasser des Stausees aufgetürmt. Ein tolles Panorama, egal von wo man schaut.

Das kleine Städtchen Guadix ist vor allem wegen seiner Höhlenwohnungen ein beliebtes Ausflugsziel. Jenseits der kleinen Altstadt ragen weiße Schornsteine aus den grauen Hügeln. Viele Wohnungen sind noch bewohnt und werden gegen Eintritt für die TouristInnen geöffnet. In den Wohnhöhlen sollen noch bis zu 10.000 Menschen leben.

Granada

Wir hatten einen perfekten Tag in Granada, obwohl es zunächst überhaupt nicht danach aussah. Aus bisher ungeklärter Ursache, finden wir uns verhältnismäßig oft ausgerechnet an einem Wochenende in größeren Städten wieder. Wir also an einem Samstag Mittag rein in diese volle Stadt. Rumpel war bereits gut hörbar mittagsschlafbereit. Doch dann geschah Seltsames: der Flow war mit uns. Den perfekten Parkplatz finden wir sofort, direkt am Fluss, dessen schöner Radweg mitten ins Zentrum führt. Dort angekommen, zieht Rumpel sofort in die Kraxe um und schläft gleich ein. Die Touristenmassen schieben sich durch die engen Gassen am Fuße der weltbekannten Festung Alhambra, aber es stört uns nicht. Wir schwimmen einfach mit, laufen ein paar steile Treppen hoch und genießen die schöne Aussicht von der gegenüber-liegenden Seite auf die maurische Stadtburg aus dem Mittelalter. Eine Besichtugung der Alhambra, mit seinen islamischen Kunstwerken, soll sich wirklich lohnen. Die Tickets bestellt man am besten zuvor im Internet. [Bei unserem Besuch auf Wochen im voraus ausgebucht. Eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeit Europas.]

Möge der Flow mit allen Besuchern dieser Stadt sein. Granada ist super!

Nerja und Frigiliana

Nach einigen Tagen der Meeres- und Strand- Abstinenz geht’s nun endlich wieder an die Küste

[Costa del Sol]. Nerja ist eine touristische Stadt, die vor allem für ihren „Balkon von Europa“ bekannt ist.

Auf diesem Felsvorsprung tummeln sich allerhand StraßenmusikerInnen, die eine Stimmung zum Bleiben erzeugen. Ansonsten sind in Nerja die zahlreichen Hotels mit ihren Pools bis zur Strandpromenade vorgerückt und in den Straßenrestaurants zerlaufen TouristInnen der üblichen Nationen in den viel zu kleinen Plastikstühlen und in viel zu kleiner Bademode. Die SUP-Session auf dem Meer, mit Blick auf die Gebirgskette der Sierra de Almijara, werden wir jedoch so schnell nicht vergessen.

Als deutlich attraktiver und charmanter empfanden wir das kleine Dörfchen Frigiliana, welches nur 4 km nördlich von Nerja in den Bergen liegt. Schon während der Anfahrt verlieben wir uns in das weiße Dorf, mit den einheitlich gekalkten Fassaden inmitten der grünen hügeligen Landschaft. Bei einem Streifzug durch das Dorf ist es endgültig um uns geschehen. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte.

Frigiliana ist eines der schönsten Dörfchen, das wir je besucht haben.

Ronda – ein Schmuckstück auf dem Felsrücken

Wir lassen Málaga und Marbella links liegen und verziehen uns erneut ins Landesinnere. Erreicht man die Kleinstadt Ronda von Osten, ahnt man nichts von der grandiosen Lage dieser 723 m hoch gelegenen andalusischen Perle.

Die Altstadt thront auf einem Felsrücken und drei Brücken verbinden die einzelnen Stadtteile mitein-ander. Sowohl die Sicht von der neuen Brücke [Ponte Nuevo] auf die umliegende Berglandschaft Serranía de Ronda, als auch von unten aus der Tajo Schlucht auf die Stadt ist grandios. Die Altstadt La Ciudad zeigt eine wunderbare Mischung aus nord-afrikanisch-maurischer und spanischer Architektur.
Auf der Fahrt von Ronda zur Küste zeigt sich Andalusien mal wieder von seiner schönsten Seite. Die gut ausgebauten Serpentinenstraßen schlängeln sich entlang der Berge und nur allmählich verliert man an Höhenmetern, bis nach 50 km plötzlich die Sicht auf die Costa del Sol und das dahinter liegende Meer frei gegeben wird.

Gibraltar – von Spanien nach Großbritannien in 2 Minuten

Gibraltar liegt fast am südlichsten spanischen Zipfel und ist seit dem Jahre 1704 [bzw. 1713] britisch. Noch nie zuvor sind wir quer über ein Rollfeld [International Airport Gibraltar] gelaufen, ehe wir in eine Stadt kamen. Mit knapp 30.000 EinwohnerInnen ist Gibraltar eher eine Kleinstadt und zwar keine besonders aufregende. Die „Main Street“ für steuerfreies Einkaufen ist immer gut besucht und zeigt einige schöne historische Bauten. Der Rest der Halbinsel ist bei unserem Besuch eine einzige Baustelle und wo es nur geht zugebaut. Das Radfahren ist eine Katastrophe. Viel zu viele Autos auf viel zu wenig Platz. Auch der „Europa Point“ am südlichsten Ende versprach mehr, als es letztendlich zu sehen gab. Ein großer Asphalt-Parktplatz, ein Leuchtturm, eine Moschee und eine weitere Großbaustelle. Vier Stunden fahren wir mit dem Rad durch Gibraltar und enden mit dem Fazit: „So ein Quatsch!“. Wäre Gibraltar keine britische Besonderheit mitten in Spanien und könnte man hier nicht billig konsumieren, würden auch nicht so viele Menschen hier her pilgern.

Eine Sache gibt es da aber doch noch: der Felsen von Gibraltar. Schon aus etlichen Kilometern Entfernung ist er zu sehen und beeindruckt vermutlich Jedermann/-frau.

In das dortige Naturreservat „Upper Rock“ führt entweder eine Seilbahn, ein langer und steiler Fußweg mit vielen Treppen oder Sammeltaxis. Bekannt ist „Upper Rock“ für die freilebenden Berberaffen, die tagtäglich für Selfies mit TouristInnen posieren und ansonsten meist friedlich und faul auf den Felsen liegen. Das eigentliche Highlight für uns hier oben ist jedoch die grandiose Aussicht vom Felsgipfel auf Gibraltar, Spanien und das Meer. Bei gutem Wetter reicht die Sicht sogar bis zum afrikanischen Kontinent nach Marokko. Das Erleben dieser Aussicht ist für uns auch der einzige Grund, warum man Gibraltar bereisen sollte, wenn einem die Unmengen an TouristInnen nicht stören.

 

Immer wieder treffen wir auf unserer Reise interessante, offenherzige und inspirierende Menschen. In Gibraltar sind es Kathrin und Ralf. Vom ersten Moment an eine herzliche und vertraute Begegnung. Acht Jahre lang haben sie sich ihr eigenes Segelboot gebaut! Kein Witz. Ein riesiges Segelboot aus eigener Hände Arbeit, mit dem sie seit drei Jahren die Weltmeere bereisen. Wir wünschen den beiden noch viele wunderbare Seemeilen, bei bester Gesundheit und Schaffenskraft.

Tarifa – mitten im Kite Mekka Europa

Das Städtchen Tarifa ist nun aber der wirklich südlichste Punkt Spaniens und zugleich des europäischen Festlandes. Sie liegt wunderschön an der Straße von Gibraltar. Man blickt auf den Atlantik, wendet dann den Kopf und sieht vom selben Punkt aus das Mittelmeer. Dabei schweift der Blick über das Atlas-Gebirge in Marokko. Nur 14 Kilometer trennen hier Europa vom afrikanischen Kontinent.

Die Stadt ist über alle Grenzen hinaus bekannt für ihre perfekten Bedingungen für´s Wind- und Kite-Surfen. Dementsprechend prägt die Szene das Stadt- und Lokalbild. Die Stimmung ist entspannt, die Altstadt sehr sehenswert und der Sand am Strand puderzuckerfein. Wir genießen ein paar Tage den Wind um unsere Nasen und schauen ehrfürchtig den bunten „Drachen“ in der Luft zu.

Schön, schöner, Sevilla

Spaniens Städte machen es einem echt nicht schwer bleiben zu wollen. Sevilla ist wieder so ein grandioses Beispiel. Die Altstadt besteht aus kleinen schönen Gassen, riesigen Plätzen, beeindruckenden Monumenten und reich verzierten Wohnhäusern. An den Fassaden der Häuser kann man sich kaum satt sehen, so verschieden sind sie. Der „Slogan“ eines Geldgebers im 15 Jahrhundert sei gewesen: „Errichten wir eine so große Kirche, dass uns die Nachwelt für verrückt erklärt.“ So entstand der größte gotische Kirchenbau der Welt. Die schöne Kathedrale von Sevilla ist so riesig, dass man kaum von einem zum anderen Ende blicken kann. Davor trappeln zahlreiche Kutschen auf und ab, auf der Suche nach KlientInnen. Einmal um die Ecke gebogen stehen wir vor den königlichen Palästen von Alcázar. Wie schon bei der Alhambra in Granada ist eine Besichtigung von Alcázar [ohne stundenlange Wartezeit] leider nur mit einem vorherigen online Ticketkauf möglich. Sevilla sollte definitiv auf der Bucket-List eines/r jeden Reisenden stehen!

Von Andalusien einmal durch Portugal nach Nordspanien

Sevilla war die letzte Station unserer Reise durch Südspanien, bevor es für einige Wochen nach Portugal geht. Portugals Südküste [Algarve] und die Städte Lissabon und Porto sind wirklich sehenswert.
Nachdem wir Portugal also einmal durchquert hatten, finden wir uns ein paar Wochen später plötzlich in Nordspanien wieder. Es ist lange nicht mehr so warm wie noch im Süden des Landes, aber die Sonne und der blaue Himmel sind dennoch tägliche Begleiter. Nach Spanien zurückzukehren fühlt sich richtig gut an!

Halbwüste Bardenas Reales

Der Besuch der Halbwüste „Bardenas Reales“ in Navarra steht schon lange Zeit auf der To-do Liste. Während wir bei unserer Spanien-Tour 2015 noch vorbeigefahren sind, weil schlecht informiert, wollen wir sie nun nicht verpassen. Der Eintritt in den Nationalpark ist kostenfrei und man darf die Schotterwege mit dem eigenen Auto befahren. Wie auf einem anderen Planeten kommen wir uns vor, in dieser bizarren Landschaft aus Lehm und Sandstein. Ganz klein und ehrfürchtig bestaunen wir erneut die Schaffenskraft der Natur. Nun sieht auch unsere Hummel mit all dem Wüstenstaub, von außen nach 33.000 km Reise aus.

Pamplona

Pamplona ist das allerletzte Ziel bevor wir Spanien schweren Herzens verlassen werden.

Bereits 2015 waren wir zu zweit in dieser Stadt, die vor allem jedes Jahr im Juli die BesucherInnen anzieht. Hier jagen nämlich nackte Menschen durch die Gassen, immer dicht gefolgt von schier wild gewordenen Kampfstieren. Überall in der Stadt wird man das ganze Jahr über an dieses Spektakel erinnert und in den Souvenirläden ist alles zu kaufen, was auch nur annähernd mit Stieren und Blutvergießen zu tun hat. Für uns ist es absolut unverständlich, wie sich eine so grässliche und gewalttätige Tradition halten kann. Dennoch besuchen wir Pamplona immer wider gern, denn es ist ein hübsches Städtchen. Die Gebäude sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht sonderlich spektakulär. Ergeben aber ein wunderbar authentisches Bild einer spanischen Kleinstadt, umgeben von einer Stadtmauer sowie zahlreichen hervorragend gepflegten Parks und Freizeitplätzen.

Wir verlassen Spanien und streifen dabei durch die wunderbare Gebirgslandschaft der Pyrenäen, die hier am westlichsten Ausläufer so manches Mal an die österreichischen Alpen erinnert. Kaum in Frankreich angekommen wissen wir sofort, warum wir Spanien so lieb gewonnen haben.

Fazit: Das Reisen durch Spanien war für uns eher wie Urlaub vom Reisen. Spanien macht es Individualreisenden wirklich einfach. Die Infraktruktur mitsamt Straßen, Tankstellen [vergleichsweise günstiges Benzin], Supermärkten und schönen Schlafplätzen ist grandios.

Die teuren Mautstraßen muss man nicht fahren, da es immer staatliche, konstenlose Alternativen gibt. Die Landschaft, insbesondere Andalusiens, ist großartig und die kleinen hübschen Dörfer, aber auch die wunderschönen größeren Städte laden zum Verweilen ein. Auch die Einheimischen sind meist aufgeschlossen, gesellig, sportlich, immer am lachen und vernarrt in Kinder. In Spanien hatte auch endlich die nervige Debatte mit unserem Rumpel um jede einzelne Klamottenschicht ein Ende. Endlich beständig warmes Wetter, auch nachts.

 

Kleiner Wermutstropfen: Unmengen an TouristInnen. Man ist eigentlich nie allein. Der Himmel verdunkelt sich, wenn ein riesiges Wohnmobil samt Kleinwagen am Anhänger neben einem einparkt. An den unzähligen Wildcampern, inklusive Hinterlassenschaften, hat leider auch die Natur zu knabbern.


Und zu guter Letzt: Vollkornbrot. In so vielen Ländern Südeuropas vergeblich gesucht und nun endlich wieder mit Genuss verzehrt.

Kurz: Spanien wir sehen uns!!!